Sternenkinder, stille Geburt, Kinderlosigkeit – Kinderwunsch ist kein Smalltalk-Thema!

Manuela V/ Januar 11, 2021/ Allgemein

Bevor ihr weiterlest, muss ich euch darauf hinweisen, dass dieser Artikel zum Thema Sternenkinder, stille Geburt und Kinderlosigkeit unbezahlte Werbung enthält, weil ich Namen nenne und Links setze. Irgendwie bescheuert, findet ihr nicht? Da darf ich euch nicht mal großartige Kollegen empfehlen, ohne es als Werbung zu kennzeichnen. Also gut, Pflicht erledigt, kommen wir zum angenehmen Teil!

“Und, wie schaut’s mit Nachwuchs aus?”. “Wollt ihr nicht langsam mal an Kinder denken?”. “Die Uhr tickt, meine Liebe!”. “Ihr seid doch schon so lang zusammen, da kommen doch bestimmt bald die Kinder.”. “Und ihr? Schon in die Kinderplanung eingestiegen?”

Wir kennen sie doch alle, diese Sätze. Jedes Paar, das länger als ein Jahr zusammen ist, jede Frau, die auf die 30 zugeht, hat sie wahrscheinlich schon gehört. Ausgesprochen werden sie meistens von Nachbarn, Bekannten, Kollegen, aber auch von der Schwiegermutter, der Oma oder Freunden. Begleitet von diesem ganz bestimmten Grinsen, ein bisschen süffisant, und diesem ganz bestimmten Tonfall, der sagt: “Hehe, wir wissen doch eh Bescheid, zwinker zwinker…”

Und so viele Paare, so viele Frauen möchten genau dann schreien: “Nein, verdammt! Ihr wisst überhaupt nicht Bescheid! Nicht im geringsten! Kein bisschen!”

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Sternenkinder, stille Geburt und Kinderlosigkeit – die nackten Zahlen

Laut Statistik sind im Jahr 2019 in Deutschland fast 780.000 Babys zur Welt gekommen, ein leichter Rückgang zu den Vorjahren.

In Deutschland ist fast jedes 10. Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Das hat eine große Studie des Gesundheitsministeriums gezeigt. Über 60.000 Frauen sind pro Jahr in Kinderwunschkliniken in Behandlung.

Experten schätzen, dass etwa 0,3 Prozent der Kinder in Deutschland tot zur Welt kommt. Klingt wenig, oder? Die einfache Rechnung zeigt: 0,3 Prozent von 780.000 Babys sind über 23.000 Sternenkinder jedes Jahr. 23.000 Mal müssen Eltern in Deutschland eine stille Geburt durchleiden. Medizinisch gibts da diverse Abstufungen und Definitionen: Abgang, Abort, Fehlgeburt, Totgeburt, früh oder spät…

Für die Eltern, die all das aushalten müssen, ist es egal, wie die offizielle Definition ist. Denn der Name ändert nichts an ihrer Verzweiflung, an ihrem Schmerz und ihrer Trauer.

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Sternenkinder, stille Geburt, Kinderlosigkeit – Was das mit den Eltern macht

Mit all diesen Zahlen und Fakten gehen wir nochmal zurück zum typischen Smalltalk vom Anfang. Wir machen mal ein kleines Gedankenexperiment. Stell dir mal kurz diese Szenarien vor:

Ihr versucht, schwanger zu werden, seit über einem Jahr. Im letzten Monat warst du dir fast schon sicher, dass es endlich geklappt hat. Und dann war es wieder nur Fehlalarm. Er fragt sich insgeheim, ob es nicht vielleicht doch an ihm liegt. Sie hat schon länger das Gefühl, komplett nutzlos zu sein, wenn sie nicht mal schwanger werden kann. Dazu noch die enttäuschte Hoffnung.
In genau dieser Situation fällt beim Grillabend mit Freunden dieser Spruch: “So langsam könntet ihr aber auch mal an Nachwuchs denken”.

Ein Paar in den 30ern ist schwanger. Ungeplant, aber nicht ungewünscht. Nach der ersten Überraschung freuen sie sich wie verrückt auf ihr Kind. Wie man das so macht, behalten sie die großen Neuigkeiten noch für sich, man weiß ja nie. Trotzdem sprechen sie schon über Namen, Farben und Kinderwagen. Kurz vor der 12. Woche bekommt sie heftigste Bauchschmerzen und Blutungen, sie fahren in die Notaufnahme, Diagnose: Früher Abort.
Eine Woche später fragt der Onkel: “Wie schauts denn eigentlich bei euch aus mit der Kinderplanung?”

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Mein Appell: Kinderwunsch muss aus dem Smalltalk verschwinden!

Wie viele Paare müssen genau das ertragen? Lapidare Fragen und süffisante Sätze, ganz nebenbei, weil einfach grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass jede Frau so ohne weiteres schwanger wird und ein gesundes Kind austrägt.

Die Realität sieht anders aus. Sternenkinder, ungewollte Kinderlosigkeit und das Thema Stille Geburt kommen häufiger vor, als die Gesellschaft das vermutet.

Trotzdem gehören diese Themen auch im 21. Jahrhundert für Viele in die Tabu-Schublade. Über sowas spricht man nicht. Damit rücken diese Probleme immer weiter an den Rand der Gesellschaft.

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Über Kinder sprechen: Wie es besser geht

Es ist die Formulierung, die es ausmacht. Warum also nicht einfach fragen “Wie sehen denn eure Zukunftspläne aus?”. Sollten Kinder ein Thema sein und zwar ein entspanntes, wird die Antwort entsprechend ausfallen.

Und manchmal sind es Kleinigkeiten! Statt “Wann kommt bei euch der Nachwuchs?” kann eine feinfühle Alternative sein “Wünscht ihr euch Kinder?”. Denn zwischen Planen und Wünschen liegen Welten. Übrigens kommst du so auch den Paaren entgegen, die vielleicht tatsächlich keinen Kinderwunsch haben und sich sehr bewusst gegen Kinder entschieden haben. Denn auch für sie ist das Geplapper über Nachwuchs durchaus anstrengend, wenn auch nicht so schmerzvoll.

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Trauer ist erlaubt und wichtig!

Ganz egal, wie früh ein Sternenkind verloren geht, ganz egal, wie lang eine stille Geburt schon her ist oder ob die Kinderlosigkeit als endgültig deklariert wird – Trauer ist wichtig! Eine Gedenkfeier kann dabei helfen. Denn Abschied nehmen, loslassen und trauern sind gerade in diesen Situationen unendlich wichtig! Und wenn es nur ein Gedenken zu Zweit ist, nehmt euch diese Zeit! Lasst euch nicht einreden, dass es ja schon wieder wird. Ihr habt jedes Recht und jeden Grund zu trauern und zwar genau so, wie es euch am besten tut!

Wenn der Schmerz zu viel wird, wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid allein auf der Welt, können die richtigen Anlaufstellen helfen. Über Hospizvereine oder Beratungsstellen findet ihr Angebote in eurer Region. Und auch online könnt ihr fündig werden, zum Beispiel bei Sternchenkinder e.V.